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Förderkredite ohne Hausbank: Wege, die die meisten Unternehmer nicht kennen

Blogbeitrag Alexander Mack über Förderkredite ohne Hausbank, Beitragsbild

Förderkredite ohne Hausbank: Die Wege, die die meisten Unternehmer nicht kennen Die meisten Unternehmer, die eine Investition planen, rufen zuerst ihre Hausbank an. Das ist der teuerste Fehler, den sie machen können. Denn die klassische Hausbank ist beim Thema Förderkredite strukturell das schwächste Glied in der Kette: Sie verdient an zinsgünstigen Durchleitungsprogrammen kaum etwas, der Aufwand ist höher als bei einem hauseigenen Kredit, und der Berater wird das Gespräch mit entsprechender Motivation führen. Wer dort auf Fördermittel hofft, ohne sie aktiv einzufordern, wartet vergeblich.

Das interessantere Problem ist eigentlich ein anderes. Viele Unternehmer wissen gar nicht, dass es Wege zur Förderfi nanzierung gibt, die die Hausbank strukturell umgehen. Wege, bei denen man zuerst eine Zusage bekommt und erst danach eine Bank sucht. Und Wege, bei denen die öffentliche Hand das Ausfallrisiko so weit absichert, dass die Hausbank kaum noch Einwand hat.

Das bekannteste dieser Instrumente ist die Bürgschaft ohne Bank, kurz BoB, angeboten von den Bürgschaftsbanken der Bundesländer. Das Modell kehrt den üblichen Prozess um. Statt mit dem Kreditwunsch zur Bank zu gehen und dort auf eine Zusage zu hoffen, wendet sich der Unternehmer direkt an die Bürgschaftsbank seines Bundeslandes. Diese prüft das Vorhaben eigenständig, bewertet die wirtschaftliche Tragfähigkeit und stellt bei positiver Einschätzung eine Bürgschaftszusage aus. Erst mit dieser Zusage in der Hand geht der Unternehmer zur Bank. Diese deckt dann bis zu 80 Prozent des Kreditbetrages ab, bei Investitionen, und bis zu 60 Prozent bei Betriebsmitteln, bei maximal 2,5 Millionen Euro Bürgschaftsvolumen. Mehr dazu, wie das Programm im Einzelnen funktioniert, findet sich im ausführlichen Artikel auf FörderWiki.

Verständlicher wird das mit einem Beispiel: Ein Maschinenbaubetrieb aus Sachsen, 18 Mitarbeiter, acht Jahre am Markt, will eine CNC-Anlage für 380.000 Euro kaufen. Das Unternehmen ist profi tabel, hat Aufträge für die nächsten zwei Jahre und einen Geschäftsführer, der genau weiß was er mit der Anlage machen will. Was er nicht hat, ist freies Anlagevermögen in dieser Größenordnung. Drei Banken lehnen ab, nicht weil das Unternehmen schlecht dasteht, sondern weil die Sicherheiten nicht reichen. Mit einer BoB-Bürgschaft über 80 Prozent des Kreditbetrages ändert sich die Rechnung. Die vierte Bank trägt noch 76.000 Euro Eigenrisiko, prüft die Bonität und gibt grünes Licht. Die Anlage wird gekauft. Ohne BoB wäre das nicht möglich gewesen.

Für Unternehmen, die zusätzlich zinsgünstige KfW-Konditionen nutzen wollen: BoB lässt sich mit dem ERP-Förderkredit KMU 366 kombinieren. Die Bürgschaft übernimmt dabei die Sicherheiten, die die Hausbank sonst blockieren würde. Wie das im Detail funktioniert, ist hier im Artikel auf FörderWiki beschrieben:

Ein weiterer direkter Zugang läuft über einzelne Landesförderbanken. Die IBB Berlin etwa ermöglicht in bestimmten Programmen eine Antragstellung ohne vorgeschaltete Hausbank. Welche Landesbank in welchem Bundesland analoge Möglichkeiten bietet, variiert stark und ist am besten direkt bei der jeweiligen Institution zu klären.

Was bleibt als Fazit für Inhaber und Geschäftsführer, die gerade eine Investition vor sich haben? Der Bankberater wird dieses Gespräch nicht von sich aus führen. Nicht weil er es nicht kennt, sondern weil er kein wirtschaftliches Interesse daran hat. Das ist keine Unterstellung, das ist die strukturelle Realität des Hausbankprinzips. Wer auf eine proaktive Empfehlung wartet, wartet in den meisten Fällen vergeblich.

Der Ausweg ist, den Prozess selbst in die Hand zu nehmen. Wer sein Vorhaben zuerst bei der Bürgschaftsbank des eigenen Bundeslandes vorstellt, bekommt eine unabhängige Bewertung, eine fertige Absicherung und eine Verhandlungsposition, gegen die die Bank sachlich keinen Einwand mehr hat. Der einzige Zeitpunkt, zu dem dieser Weg versperrt ist, ist nach Beginn des Vorhabens. Wer eine Maschine bestellt oder einen Bauvertrag unterschrieben hat, ist raus. Wer vorher handelt, öffnet sich Optionen, die die meisten Mitbewerber schlicht nicht kennen.

Über den Autor
Autor Alexander Mack von FörderWiki.de auf unternehmer-impulse.de
Alexander Mack
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Alexander Mack ist Gründer und Chefredakteur von FörderWiki.de. Als erfahrener Fördermittelberater und Autor erklärt er komplexe Zuschussprogramme des Bundes und der EU in klarer, praxisnaher Sprache. Seine Beiträge helfen Unternehmern, Start-ups und Beratern, Förderchancen zu erkennen und rechtssicher zu nutzen.

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