Mai17

Armes Deutschland. Die UVV-Fahrzeugkontrolle!

Ich will, nein, ich muss mich aktuell aufregen!

Ingo Vögele über Werbeverweigerer

Heute erhielt ich ein fröhliches Schreiben unseres Autohauses, dass es nun an der Zeit wäre für die regelmäßige Wartung nach Herstellervorgabe, kurz: Die Inspektion steht an.

Zum Hintergrund: Ich fahre einen Geschäftswagen der oberen Mittelklasse, den mein Unternehmen eigens für mich geleast hat und dies auch regelmäßig alle drei Jahre wiederholt. So richtig alt und klapprig werden demnach unsere Fahrzeuge nicht und es fährt auch keiner unserer Mitarbeiter damit herum.

Mein Blut in Wallung versetzt hat jedoch innerhalb dieses o.g. Schreibens das kleine Sätzchen: "... vergessen Sie zudem nicht, die von der Berufsgenossenschaft geforderte jährliche UVV-Fahrzeugkontrolle gleich mit durchführen zu lassen!" und weiter "Das spart Zeit und schont Ihren Geldbeutel".

 
Wie bitte, was um alles in der Welt ist eine UVV-Fahrzeugkontrolle???

Den Servicemitarbeiter meines Autohauses habe ich am Freitagnachmittag natürlich nicht mehr erreicht. Gut für ihn (wobei er persönlich bestimmt nichts dafür kann), denn ganz grundsätzlich vermute ich feiste Geldmacherei unter dem Deckmäntelchen der sozialen Verantwortung.

Meine Recherche ergab Folgendes:

  • UVV bedeutet Unfallverhütungsvorschrift
  • die sog. "Fahrzeugkontrolle" ist geregelt in § 57 Abs. 1 der Unfallverhütungsvorschrift "Fahrzeuge" (BGV D29, bisherige VBG 12) – ach ja, die gute alte VBG 12, wie werden wir sie vermissen!
  • dieser Paragraf besagt, dass gewerblich genutzte Fahrzeuge bei Bedarf, mindestens jedoch einmal jährlich, durch einen Sachkundigen auf ihren betriebssicheren Zustand zu prüfen sind.
  • Privatfahrzeuge, die zu dienstlichen oder geschäftlichen Zwecken eingesetzt werden, bleiben von der UVV unberührt
  • die Hauptuntersuchung (TÜV/Dekra etc.) konzentriert sich rein auf die Verkehrssicherheit

Aber jetzt kommt's: Wer kümmert sich um die Betriebs- und Arbeitssicherheit? Na klar, die Berufsgenossenschaften!

Dafür bin ich wirklich sehr dankbar, denn daran habe ich bislang gar nicht gedacht. Da steige ich täglich komplett unbedarft in meinen nun immerhin schon zwei Jahre alten Wagen ein und habe trotzdem noch nicht einmal einen Gedanken daran verschwendet, welche erheblichen Gefahren – auch ohne Unfallgegner – hier auf mich lauern könnten.

Einige Horrorvisionen, die ich mir da nun ausmale:

  • die aus Materialermüdung labil gewordene Sonnenblende, die mir plötzlich mitten in der Fahrt die Sicht nimmt
  • ein sich spontan entleerendes Handschuhfach, da das Schloss durch die extreme Beanspruchung, nach zwei Jahren, völlig ausgeleiert ist
  • sich plötzlich durch Zellteilung, Osmose oder andere biodynamische Prozesse, von denen ich nichts verstehe, herausbildende scharfkantige Erhebungen innerhalb meines Fahrzeuginterieurs, die direkt meine Gesundheit bedrohen – oder zumindest meine "Berufs"-Kleidung aufschlitzen können
  • ein klemmendes Seitenfenster, sodass ich nicht mehr am Drive-In-Schalter Nahrung aufnehmen könnte – ich wäre quasi gezwungen auszusteigen und würde unvorhersehbaren Gefahren ausgesetzt
  • ungesicherte Ladung (also mein Aktenköfferchen), das im Kofferraum erheblichen Schaden anrichten könnte
  •  ... oder ein kleiner Steinschlag in der Windschutzscheibe und dann plötzlich "krackckck!!!" – ach nein, hierum kümmert sich ja die Abteilung Verkehrssicherheit bei der Hauptuntersuchung, da kann ich als gewerblicher Nutzer eines gewerblichen Fahrzeuges ganz beruhigt sein

Leider scheint die Sache aber ernst zu sein!

Wichtige Bestandteile der UVV (Quelle: www.fuhrparktreff.de):

  • Warnwestenpflicht
  • Ladungssicherung
  • Fahrzeugprüfung durch Fahrpersonal
  • Fahrzeugprüfung durch Sachkundige

Fahrzeugprüfung durch Fahrpersonal

  • lichttechnische Einrichtungen auf Funktion
  • Sauberkeit / Schadenfreiheit
  • Räder auf sichtbare Beschädigungen und Profiltiefe
  • Bremsen auf Funktionsfähigkeit
  • Motor und Antrieb auf ausreichend Kraftstoff, Öl, Kühlflüssigkeit (im Winter Frostschutzmittel)
  • Führerhaus, Aufbau/Ladung, unbeschädigte Rückspiegel, Sicherheitsgurte, Scheiben und Sichtfeld, Lesbarkeit des amtlichen Kennzeichens
  • korrekte Ladungssicherung
  • Anhänger-/Aufliegerbetrieb – funktionstüchtige Kupplung
  • ist erforderliches Zubehör vorhanden wie z.B. Unterlegkeile …
  • Warndreieck, Verbandskasten, Warnweste
  • sind Betriebsanleitung und -anweisungen vorhanden?
  • im Winter: Hilfsmittel zur Reinigung vereister Scheiben und gegebenenfalls Schneeketten

>>> Klar, das klingt natürlich so, als ob es hauptsächlich für Kraftfahrer im Güterverkehr gilt. Aber selbstverständlich checken wir, als verantwortungsbewusste Kraftfahrer von geschäftlich genutzten PKWs, unser Arbeitsgerät vor jeder Fahrt ins Büro mindestes genauso intensiv. Ich jedenfalls schon, Sie auch? ;-)

Fahrzeugprüfung durch Sachkundige

Nach Paragraf 57 BGV D29 muss die Überprüfung mindestens einmal im Jahr durch einen Sachkundigen geprüft werden. Diese Prüfung hat nichts mit der Hauptuntersuchung nach Paragraf 29 StVZO zu tun.

Warum ich und Sie diese ganz wichtige zusätzliche Untersuchung auf jeden Fall durchführen lassen sollten, entnehmen wir einer Beurteilung von Rechtsanwalt Lutz D. Fischer, LohmarWenn man also im Fuhrpark die vorgeschriebene Hauptuntersuchung nur alle 2 Jahre durchführt, dann muss darauf geachtet werden, dass zumindest jedes Jahr Kfz-Inspektionen der Fuhrparkfahrzeuge durchgeführt werden. Wird die vorgeschriebene jährliche Prüfung nicht vorgenommen, dann stellt dies eine vorsätzliche oder fahrlässige Ordnungswidrigkeit nach § 209 Abs.1 Nr.1 SGB VII i. V. m. § 58 BGV D 29 dar, sodass ein Bußgeld hier auch den Fuhrparkleiter treffen kann. Nach § 209 Abs.3 SGB VII kann eine solche Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße bis zu 10.000 Euro geahndet werden.

Na dann, gute Nacht Deuschland, wir regulieren uns hier definitiv zu Tode! Hier macht es wirklich Spaß, Unternehmer zu sein.

Geschrieben von Ingo Vögele, Kategorie Unternehmensführung, Glosse

Über den Autor

Ingo Vögele

Ingo Vögele

Ingo Vögele ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der modus_vm GmbH & Co. KG. Mit 25 Jahren Erfahrung in der strategischen Beratung mittelständischer Kunden, begeistert er seine Kunden mit kreativen Lösungen rund um die Themen Marketing, Vertrieb und Kommunikation.

Als erfahrener Mittelstandsberater bietet Ingo Vögele im Rahmen seiner Akkreditierung im RKW geförderte Beratungen und Coachings an. Ferner ist Ingo Vögele als Unternehmensberater Mitglied im IBWF/BVMW-ExpertenRing Region Stuttgart.

Im lokalen Umfeld engagiert sich Ingo Vögele als Vorstand und Pressesprecher des VVF e. V., dem aktiven Handels- und Gewerbeverein in Stuttgart-Vaihingen sowie als Vorstand in der stadtbezirksübergreifenden Leistungsgemeinschaft aktive Stuttgarter e. V.

Bücher zur Kundengewinnung

Wie Sie Kunden gewinnen von Ingo VögeleAm 21.11.16 ist der Praxis-Ratgeber "Wie Sie Kunden gewinnen. Erfolge online und im lokalen Umfeld" erschienen. Auf 176 Seiten erhalten das erforderliche Wissen und konkrete sowie sofort umsetzbare Impulse für Ihre erfolgreiche Akquise. Weitere Informationen und Bezugsquellen hierzu im Newsbeitrag auf modus-vm.de.

 

 

Kundengewinnung online – das zweite Fachbuch von Ingo VögeleAnfang November 2014 ist das zweite Fachbuch "Kundengewinnung online – Akquise konkret" von Ingo Vögele erschienen. Weitere Informationen und Bezugsquellen hierzu im Newsbeitrag auf modus-vm.de.

 

 

 

Titel Kundengewinnung im lokalen Umfeld von Ingo Vögele"Kundengewinnung im lokalen Umfeld" von Ingo Vögele ist am 04. Sept. 2014 ebenfalls als Printausgabe erschienen. Weitere Informationen und Bezugsquellen hierzu im Newsbeitrag auf modus-vm.de.

 

 

 

Ingo Vögele: Kundengewinnung im lokalen Umfeld – Akquise konkretAm 20.02.2014 ist das E-Book "Kundengewinnung im lokalen Umfeld – Akquise konkret" von Ingo Vögele erschienen. Weitere Informationen und Bezugsquellen hierzu im Newsbeitrag auf modus-vm.de.

 

 

 

Kommentare (9)

  • Horst

    21 Juni 2013 um 07:56 |
    Super Beitrag! Respekt!
    Erstmal den Serviceberater anschnautzen wollen!
    Als "Unternehmensberater" andere beraten wie man mit möglichst wenig Aufwand sehr viel Geld abschöpft, aber sich dann darüber aufregen!
    Wenn man mal sieht wie wenig sich Mitarbeiter um Firmenfahrzeuge und deren Zustand kümmern, ist eine jährliche Prüfung notwendig und sinnvoll.
    • Dr. Escher

      10 August 2015 um 08:33 |
      Hallo Horst,

      warum nicht gleich monatlich checken? Macht doch Sinn, oder?

      Sorry, konnte ich mir nicht verkneifen. Ich steh voll auf der Seite von Herrn Vögele und bin ebenfalls absoluter Gegner der Überregulierung.
      90 % der gewerblich genutzten PKW sind nicht älter als 4 Jahre, in den allermeisten Fällen noch in der Herstellergarantie und somit in den vom Hersteller vorgeschriebenen Wartungsintervallen. Die gewerblich genutzten LKW müssen ohnehin jährlich zum TÜV und sollten dort auf Verkehrssicherheit überprüft werden.

      M.E. ist das in der Tat Überregulierung verbunden mit Geldschneiderei
      Beste Grüße
  • Ingo Vögele

    23 Juni 2013 um 16:32 |
    Lieber Horst,
    vielen Dank für Ihren Kommentar. Mein Beitrag über die UVV-Fahrzeugkontrolle war einsortiert in die Rubrik "Glosse". Das Ganze ist also bitte mit etwas "Augenzwinkern" zu verstehen, wenngleich der Kern der Sache mich durchaus aufregt, nämlich, dass wir uns hier in Deutschland mit Verordnungen und Vorschriften zu Tode verwalten. Übrigens hätte ich den Serviceberater niemals "angeschnauzt", der tut auch nur seine Pflicht und ich glaube so geht es auch aus dem Text hervor.
    Beste Grüße aus Stuttgart-Vaihingen
    Ingo Vögele
  • Martin Hansen

    27 Mai 2015 um 07:41 |
    Sehr geehrter Herr Vögele,

    über diese diese Mitteilung des Autohauses zusammen mit der Erinnerung an die Inspektion rege ich mich auch immer auf. Aber nicht über das Autohaus, sondern über die Vorschrift der BG. Die Regulierungstätigkeit kennt oft keine Grenzen und es gibt natürlich immer gute Argumente, warum dies unbedingt sein muss...

    Dazu ein Zitat:
    Früher litten wir an Verbrechen, heute an Gesetzen.

    Publius Cornelius Tacitus
    (römischer Geschichtsschreiber)

    Man kann sich also zumindest trösten, dass dieser Regulierungdrang nichts neues ist.

    Erstaunlich finde ich immer wieder, dass man bei der Beschäftigung mit solchen Dingen im Detail, wie z.B. mit der Maschinensicherheit, feststellt, dass prüfende Organisationen oft selber die zu prüfenden Regelungen gar nicht richtig kennen. Und somit oftmals am Ende keinerlei Zugewinnn an Sicherheit erfolgt sondern nur ein Zugewinn an Prüfungstätigkeit und Verwirrung.

    Viele Grüße, M.Hansen
  • Bodo

    04 Dezember 2015 um 18:12 |
    Ich muss dem Herrn Vögele voll und ganz zustimmen.
    Wieder eine neue Masche mit Regulierungen Geld abzuzocken.
    Wenn man sich den Katalog der Arbeiten ansieht macht 75 % der Fahzeugführer jeden Tag vor Fahrtantritt und der Rest ist sowiso Unsinn(Woher will die Werkstatt wissen wo meine Warnweste liegt? Soll mit jeder Ladung vorgefahren werden um die Ladungssicherung zu prüfen? etc...).
    Grosser Bullshit und Abzocke.
  • Bodo

    04 Dezember 2015 um 18:26 |
    Muss mich korrigieren war vorschnell meine Antwort.
    Das scheint nicht an der BVG Vorschrift zu liegen,sondern an der kreativen Auslegung der Fahrzeughersteller denn im Text und der Durchführungsanordnung zu §57 der Verordnung wird eindeutig gesagt:"Die Prüfung des verkehrssicheren Zustandes des Fahrzeuges ist auch erbracht, wenn ein mängelfreies Ergebnis einer Sachverständigenprüfung nach der StVZO vorliegt.".
    Nur besondere Fahrzeuge bedürfen einer speziellen zusätzlichen Prüfung,wie dort aufgeführt ist.
    Die Fahrzeughersteller meinen es beträfe ALLE um abzuksassieren.So nicht!!!!
    Für interessierte der Link: https://www.vbg.de/apl/uvv/12/57.htm .
    Lesen bildet.
  • MathiaS

    16 Dezember 2015 um 14:46 |
    In einer Firma muss alles und jedes Gerät einmal im Jahr von einem fachkundigen überprüft werden.
    Also nicht nur die Fahrzeuge und Maschinen! Das ist eine totale Abzocke und ABM für diverse Handwerker und Ingenieure. Alle elektr. Geräte also auch jede Kaffemaschine, jeder Computer, sowie jedes Fahrzeug , wie Auto, Anhänger, und jedes techn. Gerät, z.B. Leitern, Seile, Ketten usw. aber auch Regale Container, usw. Ich weiß nicht ob es Dinge gibt , die nicht geprüft werden müssen. Eigendlich kommt man vor lauter Prüfungen gar nicht mehr zum Arbeiten.
    Dazu die TÜV - Abnahmen, beim LKW sogar zweimal im Jahr.
  • Steffen

    23 Mai 2016 um 07:51 |
    Habe am 12.05.2015 zum ersten Mal von dieser UVV gehört. Frage: Seit wann gibt es diese eigentlich??? Habe zwar mal kurz ohne großen Aufwand gesucht, aber auf die Schnelle nichts gefunden...
    Wobei ich es so "interpretiere", dass auch eine "normale" Wartung/Inspektion eines "normalen" Mechanikers in der Werkstatt mit gleichzeitigem Ausfüllen des Prüfberichtformulars quasi schon ausreicht...
  • Lothar

    23 September 2016 um 16:03 |
    ich habe diese Benachrichtigung auch gerade im Kasten. Letztes Jahr wurde sie , soweit ich mich erinnere, gleich mit der ersten Inspektion mit erledigt.
    Mein Autohaus sagt mir, dass es diese Regelung erst seit ca. 2-3 Jahren gibt.
    Was ich mich gerade frage ( und das werde ich mir bei der nächsten Untersuchung auch ansehen wollen ) : wer ist denn eigentlich dieser SACHKUNDIGE ? Bin nicht vielleicht sogar ich selber damit gemeint ? Wer weiss denn wohl am besten, wo die Warnweste liegt und der Verbandkasten ? Ist das ein Sachkundiger , den die Berufsgenossenschaft stellt ? Und der soll sich mit meinem Auto auskennen, wo das Autohaus selber schon manchmal an Grenzen stösst und ich denen etwas erklären muss .....
    Also ich werde bei der nächsten "Untersuchung durch einen Sachkundigen" auf jeden Fall dabei sein wollen und dann soll der man schön suchen für seine 58 Euro . Ich werde ihm dabei jedenfalls nicht helfen ..... :-)
    Interessant fände ich auch, wer eigentlich wieviel von diesen 58,- Euro erhält. Das Autohaus stellt ja immerhin einen Raum zur Verfügung oder ein Gelände mit Beleuchtung uns so. Der Sachkundige ? Wieviel bekommt er.... ?

    Abschließend muss ich hier noch los werden:
    Es ist gut zu wissen, wenn schon keiner auf der Autobahn sich an 80, 100 oder 120 Schilder halten kann und es auch niemanden gibt in diesem Land, der sich dafür und für die häufigste Ursache schwerster Unfälle auf den Autobahnen mit oftmals stundenlange Sperrungen manchmal in beide Richtungen, also es ist gut zu wissen und ich werde im nächsten Stau auch daran denken: Hauptsache ich habe die UVV machen lassen. Dann fühlt man sich gleich viel sicherer.

    In diesem Sinne..... weiterhin gute und vor allem sichere Fahrt.

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Wow! Super Inhalte, arbeite mich grade durch die ganzen Teile zur Kundenakquise durch. Kann man definitiv eine Menge für sich mitnehmen....

AkquisenMatze AkquisenMatze 15. Juni, 2017 |

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