Montag, 18. Dezember 2017

20
Juli
2015

Bindestrich und Gedankenstrich. Was ist was und wann wird welcher verwendet?

Binde- und Gedankenstrich – was ist was und wann wird welcher verwendet!

Beim Lesen eines Newsletters ist mir wieder einmal aufgefallen, dass die verschiedenen typografischen Stricharten oft falsch verwendet werden. Deshalb dreht sich mein neuer Beitrag um dieses Thema.

Binde- und Gedankenstrich unterscheiden sich in Texten allein durch ihre Länge. Der Bindestrich, auch Divis, Trennstrich oder Viertelgeviertstrich genannt, ist viel kürzer als der Gedankenstrich. Der längere Gedankenstrich heißt auch Halbgeviertstrich. Die Begriffe Viertel- und Halbgeviertstrich verraten auch schon, wie lang der jeweilige Strich sein muss, nämlich ein Viertel- oder Halbgeviert.

Lt. Wikipedia wird Geviert wie folgt definiert: Das Geviert (englisch quad) ist eine typografische Maßeinheit aus der Zeit des Bleisatzes mit beweglichen Lettern, die auch im modernen Satz am Rechner noch verwendet wird.

In der Neuzeit angekommen, stellte man fest, dass es auf der Tastatur einer Schreibmaschine nicht genug Platz für die vielen verschiedenen Strichlängen, vom Geviert über Halbgeviert, Fünftelgeviert, Viertelgeviert und Doppelgeviert gibt, wie sie beim klassischen Schriftsatz zur Verwendung kommen. Deshalb wurde für die Schreibmaschine der Viertelgeviertstrich sowie die längeren Striche Halbgeviertstrich und Minuszeichen durch ein neues Zeichen ersetzt: das sogenannte Bindestrich-Minus. Dieses Kompromiss-Zeichen war etwas länger als ein typischer Viertelgeviertstrich und etwas kürzer als ein typischer Halbgeviertstrich.

Jetzt zur Praxis: Wann wird in Texten der Bindestrich und wann der Gedankenstrich verwendet und wie lang müssen die Striche jeweils sein?

Genau geregelt wird das, wer hätte es gedacht, in einer DIN-Norm, und zwar in der DIN 5008 (Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung).

Entlang dieser Norm unterscheidet man vier verschiedene Verwendungsarten:

Getrennter Text Silbentrennung (Viertelgeviertstrich oder Bindestrich-Minus)

Ein Texttrennungsstrich (Viertelgeviertstrich oder Bindestrich-Minus) ist das letzte Satzzeichen in der Zeile, ab der der Text getrennt wird. Es steht kein Leerzeichen vor bzw. nach dem Trennungsstrich.

Beispiel: Es kommt oft vor, dass Binde-
striche falsch eingesetzt werden.

Zusammensetzung mit Bindestrich (Viertelgeviertstrich oder Bindestrich-Minus)

In Zusammensetzungen mit Wörtern, Einzelbuchstaben, Abkürzungen oder Ziffern kann ein Bindestrich eingefügt werden. Es steht kein Leerzeichen vor bzw. nach dem Bindestrich.

Beispiele: Fanny-Leicht-Gymnasium, 100-prozentig oder 3-jährig

Ausnahmen: 4fach gesichert, ein 10tel, 60er-Jahre

Wortergänzungen mit Bindestrich (Viertelgeviertstrich oder Bindestrich-Minus)

Bei Auslassungen in einer Aufzählung kann der gleiche Wortanteil mit einem Bindestrich ergänzt werden. Je nach Lage des zu ergänzenden Wortanteils steht ein Leerzeichen vor bzw. nach dem Bindestrich.

Beispiele: Schulhaus und -hof (erster Wortanteil), Ein- und Ausgabe (letzter Wortanteil), Werkzeuggroß- und -einzelhandel (erster und letzter Wortanteil).

Text mit Gedankenstrich (Halbgeviertstrich)

Der Gedankenstrich deutet einen Wechsel des Gedankengangs an und wird alternativ zu einem Doppelpunkt oder einem Einschub in Klammern verwendet sowie in Fällen, in denen ein Punkt zu stark und ein Komma zu schwach wäre. Es steht jeweils vor und nach dem Gedankenstrich ein Leerzeichen.

Beispiel: In Ländern mit Rohstoffvorkommen egal ob demokratisch oder diktatorisch regiert spielt der Export dieser Rohstoffe eine große Rolle.

Ausnahme: Dem abschließenden Gedankenstrich folgt ein Satzzeichen.
Ich fürchte hoffentlich zu unrecht , dass ...

Praxistipp

Einen korrekten Gedankenstrich zu erzeugen ist kein Hexenwerk. Folgende Tastenkombination bzw. Vorgehensweise führt zum gewünschten Erfolg:

Apple: Taste „alt" und „-" gleichzeitig drücken und schon haben Sie den „"

PC (MS-Word): hier lässt sich der Gedankenstrich über die Symbolpalette einfügen. Gehen Sie in den Menübereich „Einfügen" und klicken Sie auf „Symbol/Weitere Symbole", es öffnet sich die Symbolpalette. Wechseln Sie hier zur Registerkarte „Sonderzeichen" und wählen Sie den Halbgeviertstrich, also den Gedankenstrich, aus. Das markierte Zeichen lässt sich über Einfügen in den Text übernehmen.

Fazit

Kurz zusammengefasst, der Bindestrich (Divis, Trennstrich oder Viertelgeviertstrich) wird ohne Leerzeichen gesetzt, auf den Gedankenstrich (Halbgeviertstrich) folgt jeweils vor und nach diesem ein Leerzeichen. Aber wie immer, keine Regel ohne Ausnahme, wie bereits o. g., wenn dem abschließenden Gedankenstrich ein Satzzeichen folgt, wird kein Leerzeichen gesetzt.

Geschrieben von Martin Marotz Kategorie Design, Technik

Über den Autor

Martin Marotz

Martin Marotz

Martin Marotz ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der modus_vm GmbH & Co. KG. Vor der Gründung von modus_vm war er über 15 Jahre als Werbe- und Marketingleiter in unterschiedlichen Unternehmen der Markenartikelindustrie tätig. Heute berät er bei modus_vm eine Vielzahl von mittelständischen Kunden in Marketingfragen mit immer neuen Ideen.

Martin Marotz wurde als erfahrener Unternehmensberater vom RKW (Rationalisierungs- und Innovationszentrum der deutschen Wirtschaft) zum Fachberater für Vertrieb, Marketing und Kommunikation berufen.

Im lokalen Umfeld engagiert sich Martin Marotz als Verantwortlicher für die Geschäftsstelle des VVF e.V., dem aktiven Handels- und Gewerbeverein in Stuttgart-Vaihingen.

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