Samstag, 16. Dezember 2017

24
Januar
2012

Abzocke mit Datenbankeinträgen für Gewerbeauskünfte

Wer ein Unternehmen gegründet oder eines übernommen hat, kennt das vielleicht.

Demo_buchKaum ist die notarielle Seite erfolgreich über die Bühne und die Veröffentlichung im Handelsregister erfolgt, bekommt man haufenweise Post von vielerlei Unternehmen, die einem die Dringlichkeit und die Wichtigkeit von Firmeneinträgen in Gewerbeauskunftsdatenbanken mitteilen. Diese Offerten haben allesamt eine behördliche Gestaltung, sind teils auf grauem Recycling-Papier gedruckt und sollen so wohl einen wichtigen, offiziellen oder behördlich legitimierten Eindruck vermitteln.

Ungeachtet vom tatsächlichen Nutzwert eines solchen Eintrags – die in den Schreiben angegebenen Register bzw. Webadressen existieren zum Teil überhaupt nicht, sind diese Einträge keineswegs preiswert.

Das Unternehmen Gewerbeauskunft-Zentrale.de, von dem wir z.B. ein Schreiben erhalten haben, benennt einen monatlichen Teilbetrag von beispielsweise € 39,85, zzgl. MwSt. Wer jetzt nicht genau in die AGBs geschaut hat und das Schreiben unterschrieben zurückschickt, ist dem Absender schon auf den Leim gegangen. Im Kleingedruckten des Schreibens steht zu lesen, Zitat:

Die jährliche Vergütung beträgt € 478,20, zzgl. MwSt., bei Mindestvertragslaufzeit € 956,40, zzgl. MwSt. Der Betrag ist einmal nach Auftragseingang zu entrichten und wiederholt sich jährlich …“

Weiter geht’s dann im Kleingedruckten zur Kündigungsfrist, Zitat:

„Für die bestellte Eintragung vereinbaren … eine Vertragslaufzeit von 24 Monaten. Sofern der Vertrag nicht drei Monate vor Ablauf der jeweiligen Vertragslaufzeit gekündigt wird, verlängert er sich automatisch um jeweils weitere 12 Monate.“

Machen wir uns die Summe, um die es in v. g. Fall geht kurz transparent,

24 Monate x € 39,85 = € 956,40 netto

Ganz schön viel Geld für einen Eintrag in einem Verzeichnis mit absolut fragwürdigem Nutzwert. Übrigens, das Verzeichnis www.gewerbeauskunft-zentrale.de war zum Zeitpunkt meiner ersten Recherche nicht erreichbar. Wie auch immer, wer allerdings schon in die Falle getappt ist, sollte auf jeden Fall umgehend kündigen, um nicht noch ein weiteres Jahr vertraglich gebunden zu sein!

Noch ein besonders dreistes Vorgehen möchte ich erwähnen, und zwar von den sog. „HRB Handelsregisterbekanntmachungen“ mit Sitz in Berlin. Kurz nach Veröffentlichung unserer Handelsregistereintragung erhielten wir ein Schreiben mit angehängtem Überweisungsträger. Der in das Register einzutragende Inhalt war identisch mit den Angaben unserer Eintragung beim Handelsregister, verbunden mit der folgenden Kostennote:

Pos. 001 Eintragung/Veröffentlichung € 430,00

Pos. 002 Eintragungungskosten € 49,00

Pos. 003 19% MwSt. € 91,00

Gesamtbetrag € 570,00

Der Schlusssatz im Kleingedruckten sei hier noch erwähnt, Zitat:

„Wenn keine Annahme bzw. Zahlung erfolgt, behalten wir uns vor, Ihre Daten zu löschen.“

Leider hat die HRB in Ihrem Schreiben vergessen mitzuteilen, in welches Register die Daten aufgenommen werden bzw. aus welchem Register die Daten dann ggf. gelöscht werden.

Aber Achtung! Beim flüchtigen Betrachten kann man schon den Eindruck bekommen, dass es sich hierbei um ein offizielles Schreiben handelt. Vor allem da in der Zeit nach der Eintragung eines Unternehmens im Handelsregister tatsächlich auch mehrere offizielle Schreiben und Rechnungen eintreffen. Also, immer genau prüfen und durchlesen, was da so an Rechnungen, auch als solche getarnt, eintriff,t und auf keinen Fall schnell etwas unterschreiben und zurückschicken, nur um es vom Schreibtisch zu haben! Das waren jetzt zwei Beispiele, stellvertretend für viele. Die Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen, genügend Futter hätte ich jetzt schon. Vielleicht greife ich das Thema noch einmal auf, wenn uns wieder eine besonders erwähnenswerte Offerte ins Haus flattert.

Geschrieben von Martin Marotz Kategorie Unternehmensführung, Marketing

Über den Autor

Martin Marotz

Martin Marotz

Martin Marotz ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der modus_vm GmbH & Co. KG. Vor der Gründung von modus_vm war er über 15 Jahre als Werbe- und Marketingleiter in unterschiedlichen Unternehmen der Markenartikelindustrie tätig. Heute berät er bei modus_vm eine Vielzahl von mittelständischen Kunden in Marketingfragen mit immer neuen Ideen.

Martin Marotz wurde als erfahrener Unternehmensberater vom RKW (Rationalisierungs- und Innovationszentrum der deutschen Wirtschaft) zum Fachberater für Vertrieb, Marketing und Kommunikation berufen.

Im lokalen Umfeld engagiert sich Martin Marotz als Verantwortlicher für die Geschäftsstelle des VVF e.V., dem aktiven Handels- und Gewerbeverein in Stuttgart-Vaihingen.

Kommentare (3)

  • Susanne Martin

    24 Januar 2012 um 13:33 |
    Stimmt genau - ich schaue inzwischen zuallererst ins Kleingedruckte, bevor ich die Rechnung oder das verkappte Angebot überhaupt durchlese!
    Ich habe mir im übrigen auch angewöhnt, bei telefonischen Nachfragen à la "es geht um die Verlängerung Ihres Eintrages in XY -wir möchten nur wissen, ob Ihre Daten noch gültig sind" o.ä. erst mal nach einer Kopie meines Auftrages zu fragen - dann ist eigentlich immer Ruhe und das Gespräch nach 30 Sekunden beendet.

    antworten

  • Michael Haufler

    27 Januar 2012 um 13:46 |
    Sehr geehrter Herr Marotz,
    ein gelungener Beitrag welcher mir aus der Seele spricht.

    Ich habe mir eine einfache Regel angewöhnt: Gebühren und Abgaben an die öffentliche Hand enthalten keine Mehrwertsteuer. Somit sollte man, sobald Mehrwertsteuer auf einer vermeintlichen Rechnung oder einem Angebot angegeben ist hellhörig werden. (Ausgenommen für Kapitalgesellschaften der Bundesanzeiger Verlag für die Veröffentlichung der Bilanz im Unternehmensregister, das ist mit MwSt., aber da kommt man nicht drum rum)

    antworten

  • Lengenfeld

    07 März 2012 um 18:11 |
    Liebe Leute das ist noch harmlos..
    Noch übler ist das hier

    Ulrich Lengenfeld
    Am 7. März 2012 um 11:28 Uhr

    Vorsicht!!!!

    Es gibt begründeten Verdacht, dass diverse Verlage in Deutschland durch diese Methode allein in den letzten Jahren, unbemerkt von der Öffentlichkeit, einen größeren zweistelligen Millionenbetrag kassiert haben. Es ist immer die gleiche Vorgehensweise: Zuerst wird mit einer kostenfreien Veröffentlichung für einen redaktionellen Text geködert. Nur nebenbei wird dann erwähnt, dass Bildmaterial pro Millimeter berechnet wird. Das kann man schnell übersehen.

    Letztlich erhält man dann eine Rechnung für einen Artikel mit Fotos, die schnell einige tausend EURO betragen kann, obwohl man nur mit einer üblicherweise kostenfreien redaktionellen Veröffentlichung gerechnet hat.

    Unsere Recherchen haben auch ergeben, dass lediglich kaum nennenswerte Auflagen von ca. 10.000 Exemplaren gedruckt werden, die vermutlich dann wahllos an unterschiedliche Unternehmen verschickt werden. Man hat dann für den hohen Rechnungsbetragt wohl kaum eine erwähnenswerte Gegenleistung von den Verlagen erhalten.

    Sollten Sie eine ähnliche Erfahrung mit dem Verlag „Internationale Wirtschaftsnachrichten“ gemacht haben, setzen Sie sich bitte mit uns in Verbindung. Jede Information hilft uns die Öffentlichkeit und damit auch die Unternehmen über diese nach „Abzocke riechende“ Methode zu informieren und damit dieser Masche ein endgültiges Ende zu bereiten. Ihnen hilft es möglicherweise eine noch nicht bezahlte Rechnung künftig auch nicht zahlen zu müssen. Wenn Sie bereits gezahlt haben kann das Geld unter bestimmten Voraussetzungen von den entsprechenden Verlagen zurück gefordert werden.

    Nähere Auskunft:
    Ulrich Lengenfeld
    Freier Journalist
    Mobil 0171 990 23 50 ulrich-lengenfeld@web.de

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